• Perspektiven der Gastfreundschaft

    Gastfreundschaft: Gastgebr zwischen Sein und Schein
    Beim Thema Gastfreundschaft kochen schnell die Emotionen hoch, weil jeder durch Eltern und Erziehung geprägt seine eigenen Vorstellungen und Erwartungen hat. Noch dazu mag jeder mitreden, weil die bisherigen Erfahrungen ebenso vielfältig wie diskussionsbedürftig sind. Gastfreundschaft als Prinzip freundlicher Gesinnung beruht stets auf Gegenseitigkeit und gilt als hohes Gut. Gastrecht ist gleichzeitig Gastgeberpflicht. Sie beschreibt das Recht des Fremden auf Beherbergung, Bewirtung und Unterhaltung. Im Idealfall geschieht dies uneigennützig, aufopfernd und aus tiefstem Herzen. Dieses Recht ist allerdings von begrenzter Dauer.

    Im Laufe der Geschichte wurde Gastfreundschaft immer wieder neu definiert und gedeutet, weil das Verhältnis von Gast und Gastgeber immer im gesellschaftlichen Kontext betrachtet werden muss. Besondere Betrachtung verdienen neben den gesellschaftlichen auch die persönlichen wie finanziellen Verhältnisse. In der Literatur wird die Gastfreundschaft auch als "schöner Schein" entlarvt, bei dem es darum geht, eigene Leistungen mit hohem Zins zurück zu bekommen, zumindest wenn der Gastgeber als gut betucht oder wohlhabend gilt. Auch im umgekehrten Fall wird nur der Schein gewahrt, weil der Gast auf subtile Art unterschwellig einfordern kann, ohne es auszusprechen. Der gesellschaftlich besser gestellte Gast bekommt aus Gewohnheit eine "Sonderbehandlung" zugebilligt. Wenn Gast und Gastgeber nicht auf Augenhöhe agieren können, wird Freundlichkeit zur Maske, hinter der sich Beklemmung und Unwohlsein tarnen.

    Der Privatmann als Gastgeber
    Der Durchschnittsbürger als Gastgeber begründet sein Verhältnis zu Freunden und Verwandten mit dem Wunsch, gemeinsame Zeit zu verbringen, gut bis opulent zu speisen und der Geselligkeit zu frönen. Gegenseitige Einladungen sind nach wie vor eine liebenswerte Sitte, weil sie dem menschlichen Grundbedürfnis entspringen und keine Vorteilnahme oder Begünstigungen verfolgen. In diesem Fall erhalten kleine gegenseitige Geschenke diese Freundschaft. Der kluge Gastgeber wird sich bei Einladungen arrangieren, Zweck und Anlass formulieren und dementsprechend seine Gäste auswählen. Auch wird er mit Bedacht die passenden Speisen und Getränke auswählen und sich in jeglicher Hinsicht um das Wohl seiner Gäste bemühen. Er wird auf ihre Bedürfnisse eingehen, sie nicht bedrängen, ihnen nichts gegen ihren ausdrücklichen Willen vorsetzen oder aufdrängen. Persönliche Wünsche oder Vorlieben werden respektiert. Gastgeber und Gast agieren auf Augenhöhe. Das am häufigsten vertretene Credo lautet: "Behandle deine Gäste so, wie du selbst behandelt werden möchtest."

    Bildnachweis:
    twinlili / pixelio.de