• Finanzamt: Der Countdown zur digitalen Kassenführung läuft

    Finanzamt, Kasse, Steuern
    Das Bundesministerium für Finanzen hat in einem 37 Seiten umfassenden Schreiben die Grundsätze zur ordnungsgemäßen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff verschärft. Die Neuregelung löst damit die allgemeinen Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung ab. Mit dem Jahreswechsel 2015 /2016 wird es für gastronomische Betriebe insofern ernst, als dass eine Nichtnachvollziehbarkeit oder Nichtnachprüfbarkeit der Verfahrensdokumentation einen formellen Mangel darstellt und somit zur Verwerfung der Buchführung führen kann. Das bedeutet für den steuerpflichtigen Gastronomen Nachkalkulation oder Schätzung - natürlich zugunsten des Finanzamtes.

    Merke: Eine ordnungsgemäße Kassenbuchführung beinhaltet die Vermutung der Richtigkeit und wird der Besteuerung zugrunde gelegt. Grundsätzlich ist allein der Steuerpflichtige für die Ordnungsmäßigkeit elektronischer Bücher zuständig - auch bei einer teilweisen oder vollständigen Auslagerung von Buchführungs- und Aufzeichnungsaufgaben auf Dritte (Steuerberater oder Rechenzentrum). Die Kassensysteme im Gastgewerbe müssen künftig digital die Bedienungsanleitung, die elektronische erfassten Daten der vergangenen zehn Jahre, die Tagesabschlussbons und Kassenberichte dokumentieren.

    Allerdings sorgt das Thema Kassenführung im Lande für Unruhe, vor allem hinsichtlich der Frage, ob der Gesetzgeber alle Kleinunternehmer verpflichtet, ab dem 01. Januar 2017 elektronische Kassen zum Einsatz zu bringen. Die Frage beantworten Steuerberater mit einem klaren "Nein". Das heißt, wenn jemand eine offene Ladenkasse führt, kann er nicht verpflichtet werden, ab dem 01. Januar 2017 auf elektronische Kassensysteme umzusteigen. Rechtlich besteht sogar die Möglichkeit ein im Einsatz befindliches Kassensystem zum 31. Dezember 2016 zu entsorgen und auf die sogenannte offene Ladenkasse umzustellen. Schließlich verpflichtet der Gesetzgeber niemanden, elektronische Kassensysteme einzusetzen. Die offene Ladenkasse entbindet den Steuerpflichtigen allerdings nicht von der zwingend notwendigen Führung eines Kassenberichtes. Im Zweifelsfall hilft ein kompetenter Steuerberater.

    Das Bundesministerium für Finanzen hat anderseits bereits vor 5 Jahren festgelegt, dass Unternehmen bis Ende 2016 ihre elektronischen Registrierkassen umrüsten müssen. Demnach sind elektronische Registrierkassen mit 1 oder 2 Drucklaufwerken bauartbedingt nicht in der Lage, die Voraussetzungen zur Aufbewahrung digitaler Unterlagen bei Bargeschäften zu erfüllen. Unter GDPdU versteht man die Grundsätze zum Datenzugriff und zur Prüfbarkeit digitaler Unterlagen und enthalten Regeln zur Aufbewahrung digitaler Unterlagen und zur Mitwirkungspflicht der Steuerpflichtigen bei Betriebsprüfungen. Elektronische Registrierkassen mit Schnittstellenfunktion besitzen neben dem elektronischen Journal auch eine spezielle Schnittstelle, mit der das Journal auf einen externen Datenträger übertragen werden kann. Insofern müssen Unternehmen prüfen, inwieweit das eigene Kassensystem durch Software oder Speichererweiterungen angepasst werden kann.

    Dem Staat entgehen dank manipulativer Kassensysteme jährlich Steuern in Milliardenhöhe. So können in bestimmten Kassensystemen gespeicherte Daten beliebig verändert werden ohne Spuren zu hinterlassen. Findige Köpfe loten das technisch Machbare aus: die zahlenmäßige Erfassung als auch Höhe des Tagesumsatzes, der Mißbrauch von Stornierungen und Einflußnahme auf den Trainingsspeicher.

    Nun ist kluger Rat teuer. Es gibt weder ein Allheilmittel, Geschäftsvorfälle richtig, vollständig und zeitnah zu erfassen noch eine generelle Registrierkassenpflicht. Als Alternative, den schwarzen Kassen den Kampf anzusagen, verbleiben nur gründliche Kontrollen vor Ort. Seit Erfindung der Registrierkasse 1879 durch James Ritty haben sich nicht nur die Kontrollmechanismen verfeinert, sondern auch die kriminellen Energien: Diebstahl und Betrug gehören dazu.

    Weitere Links:
    Steuerberatung für Hotellerie und Gastronomie
    Bildnachweis: Rainer Sturm / pixelio.de